Astrourlaub

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Astrourlaub in Andalusien

 

Schlechtes Wetter, Lichtverschmutzung und Karneval sind drei zwingende Gründe, die heimischen Gefilde zu verlassen und unserem Hobby in fernen Ländern nachzugehen. So entschlossen wir (Georg und Jan) uns Ende Februar kurzerhand, einen Flug nach Andalusien an die Costa del Sol zu buchen. Schließlich besitzt die Familie Astrohold dort ein großzügiges Feriendomizil, welchen wir nahezu umsonst nutzen durften – auf diesem Wege noch einmal vielen Dank dafür!

 

Das eigentliche Abenteuer erwartete uns bereits am Flughafen Düsseldorf. Zwar ist in der Außenstation der Monschauer ein 4“-Newton vorhanden, doch wollten wir zusätzlich ein 6“ Maksutov samt SP-Montierung und Stativ gespickt mit reichlich Zubehör mitnehmen. Dies führte zu etwas überdimensioniertem Handgepäck (15kg pro Person, erlaubt sind maximal 5kg!!). Trotzdem konnten wir unbehelligt an Bord gehen und uns blieb nur die leise Sorge, daß bei einer Schräglage des Flugzeugs die außen sitzende Person einen schnellen Tod durch herunterstürzende Optiken erleiden würde.

 

Gelandet in Malaga nahmen wir unser Gefährt, ein Opel Corsa mit hervorragenden Geläde- und Amphibieneigenschaften (unbedingt notwendig) in Empfang, und machten uns auf zu unserem Zielort, der Stadt Almuniecar, direkt gelegen an der Costa del Sol. Diese muß man sich als steile Felsenküste vorstellen, bereits nach einer Strecke von 30km landeinwärts konnten wir unseren Beobachtungsplatz für die nächsten Nächte finden; gelegen in einer äußerst reizvollen Gebirgslandschaft auf ca. 1500 Metern.

 

Die beiden ersten Nächte dort waren dann auch beeindruckend: schwarzer Himmel fast von Horizont zu Horizont, nur tief im Norden konnte man die Aufhellung durch die Stadt Granada erkennen. Mit einer geografischen Breite von 37° Nord waren dann auch ganz neue Ausblicke Möglich: Der Löwe im Zenit, M42 in ungeahnten Höhen, Skorpion komplett, die Galaxie Centaurus A bis hin zu dem im Vergleich zu M13 gigantischen Kugelsternhaufen Omega Centauri. Nicht zu vergessen die absolute Stille, wenn des Nachts kein Windzug geht und nicht, wie in einer Nacht, ein paar tollwütige Köter eines Bauernhofes den nicht vorhandenen Mond anbellen.

 

Der absolute Höhepunkt sollte aber noch folgen. Nach einer etwa dreistündigen Autofahrt erreicht man nämlich den 2168 Meter hohen Calar Alto, auf dem sich bekannterweise das Observatorium des Max-Planck-Instituts für Astronomie Heidelberg und der spanischen Astronomen befindet. Es besteht aus insgesamt fünf Kuppeln, die Teleskope von 1,2m bis hin zu 3,5m Durchmesser beherbergen. Nachdem wir in einiger Entfernung zum Observatorium unser Gerät aufgebaut hatten, kam dann auch gleich die freundliche Einladung einiger spanischer Astronomen, mit ihnen gemeinsam am 1,5m Teleskop zu beobachten. Diese Einladung konnten wir natürlich nicht ablehnen und so leisteten wir einem Doktoranden dabei Gesellschaft, wie er in einer Nacht etwa 400 Aufnahmen von Quasaren machte. Es war schon interessant, Fachastronomen bei ihrer Arbeit zu beobachten, auch wenn es sich wohl um die langweiligste Arbeit der Welt handelte. So war der Herr Görgen auch sehr enttäuscht, daß es nicht möglich war, durch das Gerät visuell zu beobachten, was er nichtdestotrotz zu jeder halben Stunde aufs neue nachfragte.

 

Als absolut umwerfend empfanden wir den Anblick der Sommermilchstraße gegen Morgen. Die war kein diffuses Lichtband mehr sondern unendlich strukturiert und hell, daß es eine wahre Freude war, mit dem Fernglas stundenlang insbesondere in dem schon recht hoch kulminiernden Zentrum Schütze/Skorpion „spazieren zu gehen“.

 

Unser nächstes Ziel sollte dann die Zona Alta der Sierra Nevada, genauer der 3398 Meter hohe Pico de Veleta werden. Angeregt durch einen Artikel in der Interstellarum erwarteten wir uns den ultimativen Beobachtungsplatz. Doch um es mit einem Satz zu sagen: wir waren wohl die einzigen, die an einem Tag an beiden Routen auf den Gipfel gescheitert sind. Die Nordroute, gut ausgebaut und auch gut von Tagestouristen befahren, brachte uns auf immerhin 2800 Metern, dann war jedoch Schluß, denn aus irgendeinem Grund war die Paßstraße hinter dem Skiort Sol y Nieve gesperrt. Am Schnee kann es wohl kaum gelegen haben, denn den gab es fast nicht. (Was den Spanier natürlich nicht davon abhält, zu Tausenden doch dort Ski zu fahren.) Über die landschaftlich wunderschöne Südroute, die eigentlich nur mit Geländefahrzeugen zu befahren ist, wären wir vielleicht sogar bis auf den Gipfel gekommen, jedoch veranlaßte uns das sich verschlechternde Wetter und die fortgeschrittene Zeit zur vorzeitigen Rückreise.

Eine Nacht verbrachten wir schließlich noch in Almmunecar bis wir zurück nach Hause mußten. Bei schönen Wetter in Malaga abgeflogen, sollten wir nachts in Düsseldorf bei typisch deutschem Wetter landen. Strömender Regen  ließ uns am liebsten direkt wieder umgekehren.

Leztendlich war diese Woche die reinste Genugtuung für unsere geplagte Astroseele und ein unvergeßliches Erlebnis, woran die Gastfreundschaft der Spanier maßgeblichen Anteil hatte!!.

Voller Sehnsucht fieberten wir der nächsten Astronacht in Deutschland entgegen, welche dann auch lange auf sich warten lassen sollte!

 

Jan und Georg

 



 



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